Aktuelles

20.01.2012

Die Planung der kooperativen Bundesfachtagung (16.-18. Februar 2012 in Berlin-Wannsee) mit dem Titel „Phasenverschiebung“ ist abgeschlossen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit der AG Schulmusik und der Konferenz Musikpädagogik an Wissenschaftlichen Hochschulen (KMPWH) die zahlreich angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu der kooperativen Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Das Tagungsprogramm finden Sie mithilfe des Links "Kooperative Tagung 2012". Der BFG-Vorsitzende, Prof. Dr. Stefan Orgass, hat ferner einige grundlegende Gedanken zur Konzeption der Tagung formuliert (s. u.).

Sie sind noch kein Mitglied der Bundesfachgruppe? Der nebenstehende Link „Mitglied werden“ hilft Ihnen weiter. Beachten Sie bitte ferner die Nachrichten, allgemeinen Informationen und CfPs von diversen Fachverbänden, in denen die BFG vertreten ist - s. Link "Infomaterialien". Für alle Fragen über die BFG, die Sie auf dieser Seite nicht beantwortet finden, stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Robert Lang, stellv. Vorsitzender



Gedanken zur Tagung "Phasenverschiebung. Perspektiven der Vernetzung von erster und zweiter Ausbildungsphase"

von Stefan Orgass

Phasenverschiebung – bezogen auf das Tagungskonzept dient der Begriff aus der Minimal Music als Metapher für die Verschiebung des ersten halben Jahres des Vorbereitungsdienstes bzw. des Referendariates in das Lehramtsstudium (wobei eher an eine abrupte als an eine graduelle Phasenverschiebung zu denken ist). Diese erste Phase der Ausbildung sieht – im Vergleich zur Zeit vor dem Bologna-Prozess – vermehrte Schulpraktika vor, die auch durch Fachleiterinnen und Fachleiter (als Mitglieder der >Zentren für Lehrerausbildung<) zu betreuen sind. Welche neuen Formen der Lehrerbildung resultieren aus dieser Verschiebung, welche sollten resultieren? Wenn auch der Vergleich mit dem musikbezogenen Begriff etwas hinkt: Unter welchen Bedingungen lassen sich solche >resulting patterns< als Chance begreifen? Fachleiterinnen und Fachleiter sowie Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer sind eingeladen, Antworten auf diese Frage zu suchen, die in Teilfragen zu entfalten ist.

Auf der Berliner Tagung wird als ein Fokus des Fragens und Nachdenkens neben anderen Aspekten das sogenannte, während des Master-Studiengangs anzubietende Praxissemester dienen. Lässt sich die obligatorische Einrichtung des Praxissemesters geradezu als Verpflichtung zum Nachdenken über Fragen der Bildung und Ausbildung von Musiklehrerinnen und Musiklehrern begreifen, so ist in übergreifender Perspektive grundsätzlich über Korrespondenzen zwischen Zielen und Wegen des Lernens in der 1. und 2. Phase nachzudenken – und zwar deutschlandweit und schulformübergreifend. Dabei wird zu fragen sein, wie sich die unterschiedlichen Perspektiven auf die unterrichtspraktische Ausbildung – die des Fachseminars bzw. der Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung einerseits und die der wissenschaftlichen Musikpädagogik bzw. Musikdidaktik andererseits – ergänzen können bzw. sollten: Im Sinne sich gegenseitig verstärkender Ausbildungspraxen? In komplementären Perspektiven? In wechselseitiger konstruktiver Kritik?

Ein gewichtiger Grund für die Auseinandersetzung mit dieser Thematik besteht sicherlich in deren europäischer >Rahmung<: Die durch die sogenannten Dublin-Descriptors vorgesehenen achtfach gestuften Kompetenzen beziehen sich auf das gesamte Schulwesen und in den letzten drei Stufen auf die Studiengänge der Hochschulen. Sie berücksichtigen dabei freilich nicht die Länderspezifika, die in Deutschland für ein recht buntes Bild von Bildungswegen sorgen. Ohne einer rigiden Vereinheitlichung das Wort reden zu wollen, werden sich aufgrund eben jener Länderspezifika mittel- und langfristig Probleme der Kompatibilität in europäischer Perspektive ergeben. Diese Probleme sozusagen präventiv ins Auge zu fassen und dabei die Selbstreflexion vor dem Hintergrund der ohnehin bereits geltenden Bestimmungen voranzutreiben, womöglich sogar zur Weiterentwicklung dieser Bestimmungen beizutragen, erscheint nur vernünftig.

Auf der Tagung sollen Erwartungen an die im Titel genannte Vernetzung aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert werden, was freilich voraussetzt, dass zunächst einmal die landes- und schulformspezifischen Unterschiede der Modelle der Kooperation zwischen den beiden Ausbildungsphasen kennengelernt werden können (1. Phase der Tagung). Sodann soll schulformbezogen diskutiert werden, welche Kompetenzen Musiklehrerinnen und Musiklehrer in den beiden Ausbildungsphasen entwickeln sollen bzw. müssen. Hierbei sollen auch die unterschiedlichen Vorstellungen von der Verschränkung von Theorie und Praxis explizit benannt und diskutiert werden. Diese Diskussionen sollten sich freilich auf vorhandene politische Rahmensetzung durch die Kultusministerkonferenz (KMK) wie auch auf existierende konstruktive Vorschläge zu Kompetenzformulierungen wie diejenigen der meNet-Gruppe beziehen (Music Education Network. Ein europäisches Netzwerk der Kommunikation und des Wissensmanagements für musikalische Bildung). Es ist also sinnvoll und für einen produktiven Verlauf der Tagung hilfreich, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die entsprechenden Papiere, die mit den Einladungen versendet wurden, bereits vor der Tagung lesen (2. Phase der Tagung). Überlegungen zur Gestaltung kooperativer Vermittlungsformate im Rahmen des Praxissemesters, das als Schnittstelle zwischen Erster und Zweiter Ausbildungsphase fungiert, sollen in einer 3. Phase der Tagung angestellt werden.
Für die authentische Präsentation der meNet-Kompetenzen konnte Herr Prof. Dr. Franz Niermann (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) gewonnen werden, der das meNet-Papier mitverfasst hat. Herr Dr. Marc Mönig (Studienseminar Bonn) hat das Impulsreferat zum Portfolio übernommen, Frau Prof. Dr. Martina Krause (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim), das Impulsreferat zum Forschenden Lernen. Für die Bereitschaft zur Übernahme dieser Beiträge sei der Referentin und den beiden Referenten bereits hier herzlich gedankt.
Noch ein paar Hinweise zur Planung der Tagung: Nach entsprechenden vorbereitenden Überlegungen seitens des Vorstands der BFG machte sich eine Gruppe, die aus Fachleiterinnen und Fachleitern (Susanne Dannhorn, Katharina Schilling-Sandvoß, Dr. Folke Augustini, Torsten Bartnitzky, Dr. Jörg Breitweg, Dr. Bert Gerhardt, Dr. Marc Mönig und Klaus Riedel) sowie aus Mitgliedern des Vorstands der BFG bestand, am 30.03.2011 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main Gedanken dazu, wie denn die zweitägige Tagung thematisch zu strukturieren sei. Die personellen Überschneidungen des Vorstands der BFG mit den Sprechen bzw. Mitgliedern der Konferenz Musikpädagogik an Wissenschaftlichen Hochschulen (Robert Lang, Thomas Erlach) und der AG Schulmusik (Hans-Ulrich Schaefer-Lembeck, Constanze Rora, Martina Krause, Werner Jank und Stefan Orgass) erleichterten die Wiederaufnahme des bereits 2010 bewährten Konzepts einer durch diese musikpädagogischen Gruppierungen gemeinsam vorbereiteten und getragenen Tagung. Sowohl KMpWH als auch AG Schulmusik brachten aufgrund von Voten ihrer Mitglieder ihre Vorstellungen in die Planung ein, die über die genannte Sitzung hinaus per Mailkontakt fortgesetzt wurde und nach und nach die in den Einladungen sowie auf dieser Webseite nachzulesende Form fand. –
Nun bleibt nur noch, allen Beteiligten eine gute Anreise und eine gedeihliche Tagung mit einem aspektreichen und produktiven Gedankenaustausch zu wünschen. Mit Reiseinformationen werde ich mich noch rechtzeitig an Sie wenden. – Ich würde mich sehr freuen, Sie in Berlin begrüßen zu dürfen!
Herzliche Grüße
Ihr
Stefan Orgass

(Prof. Dr. Stefan Orgass, 1. Vorsitzender der Bundesfachgruppe Musikpädagogik)